Pressemitteilung

Ausbildungslosigkeit junger Menschen stoppen

 Düsseldorf/Freiburg/Berlin, 30. Oktober 2019. Die heute veröffentlichten Zahlen der
Bundesagentur für Arbeit zum Ausbildungsmarkt sind bedrückend: Trotz des großen
Fachkräftemangels gingen rund 73.700 Jugendliche bei ihrer Suche nach einem
Ausbildungsplatz leer aus. Gleichzeitig blieben 53.137 Ausbildungsstellen unbesetzt. Die
Probleme des Ausbildungssystems sind offensichtlich, aber die Verantwortlichen in
Wirtschaft, Schule und Politik gehen ob des mangelhaften Matchings zur Tagesordnung
über. „Viel zu viele Jugendliche verpassen so den Start in ein gutes Erwerbsleben“,
kritisieren die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit und der
Deutsche Caritasverband in einer gemeinsamen Erklärung.
Um gesellschaftliche Teilhabe und eine Ausbildung für alle jungen Menschen zu ermöglichen,
setzt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) für eine
Ausbildungsgarantie ein, die jungen Menschen eine angemessene Förderung auf dem Weg von
der Schule in den Beruf sichert. Obwohl viele Betriebe Auszubildende suchen, begannen 270.000
junge Menschen eine Maßnahme im Übergangsystem statt einer Ausbildung. Besonders
besorgniserregend ist, dass die Zahl der jungen Männer und Frauen zwischen 20 und 34 Jahren
ohne Berufsabschluss gestiegen ist und nun bei 14 Prozent des jeweiligen Jahrgangs liegt.
„Die Angebote, die jungen Menschen den Weg in die Ausbildung ebnen, müssen sich an ihren
Bedarfen orientieren – und nicht umgekehrt. Um Ausbildung allen jungen Menschen zu ermöglichen,
machen wir uns stark für flexible Modelle der Teilzeitausbildung und eine verlässliche Assistierte
Ausbildung. In der Jugendsozialarbeit setzen unsere Träger und Einrichtungen diese bereits
vielerorts erfolgreich mit um“, erklärt Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstand Sozial- und Fachpolitik
des Deutschen Caritasverbandes. „Gerade in der digitalen Netzwerkgesellschaft sind das
Recht auf Bildung und die Chance zu lebenslangem Lernen Grundlagen fairer Teilhabe.“ Die vage
formulierten Ziele der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ von Ende August dieses Jahres reichen
nach Ansicht von DCV und BAG KJS nicht aus. Zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen, die
oftmals auch einen Zugang zu einer Ausbildung erschweren, müsse die Jugendsozialarbeit als
Teil der Jugendhilfe stärker einbezogen und gefördert werden.
Mit Schulsozialarbeit, Übergangsbegleitung, Beratung und Angeboten der Jugendberufshilfe und
des Jugendwohnens für Auszubildende leistet Jugendsozialarbeit bereits jetzt einen großen
Beitrag. Allerdings sei die Jugendsozialarbeit in vielen Kommunen unterfinanziert. Diese
Leistungen müssen künftig so ausgebaut werden, dass sie verlässlich allen jungen Menschen mit
Unterstützungsbedarf zur Verfügung stehen. Hier sehen die Verbände großen Nachholbedarf.
„Von einem chancengerechten Ausbildungsmarkt, der allen benachteiligten und beeinträchtigten
Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung ermöglicht, ist Deutschland noch immer weit entfernt.
Wir brauchen ein Recht auf Bildung, Ausbildung und Teilhabe. Die Zeit für eine echte
Ausbildungsgarantie ist reif. Sie muss aber mehr sein als eine vage erklärte Absicht, wie sie die
Allianz für Aus- und Weiterbildung kürzlich formuliert hat. Stattdessen muss jungen Menschen bei
Bedarf auch ein konkreter Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt werden. Hier sehen wir die
Wirtschaft, aber auch den Staat in der Pflicht. Gute Beispiele etwa in Hamburg oder in unserem
Nachbarland Österreich zeigen, dass das funktionieren kann“, unterstreicht Lisi Maier,
Vorsitzende der BAG KJS.
Die Zukunft junger Menschen, die schlechtere Startchancen haben und in prekären Lebenslagen
sind, dürfe nicht zusätzlich durch eine Gesetzeslage gefährdet werden, deren Fehlanreize in der
Praxis längst überdeutlich seien: Beide Verbände fordern seit Jahren die Sondersanktionen für
junge Menschen im Sozialgesetzbuch II abzuschaffen. Statt positiver Arbeitsmotivation bei den
jungen Menschen führen die scharfen Sanktionsregeln mit tiefen Einschnitten in das
Existenzminimum dazu, dass tausende Jugendliche sich vom Hilfesystem abkoppeln, Anspruch
auf Unterstützung verlieren und von Wohnungslosigkeit bedroht sind.

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